Was ist die beste Schriftart für ADHS?
Schriftarten wie Verdana und Open Sans gelten als besser lesbar für Nutzer:innen mit ADHS oder kognitiven Beeinträchtigungen. Im Folgenden besprechen wir, wie diese Schriftarten das Nutzererlebnis beeinflussen und wie man eine ADHS-freundliche Website gestaltet.
Autor: Missy Jensen, Senior SEO Copywriter
Veröffentlicht: 02.02.2026
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Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass manche Schriftarten Sie sofort ansprechen? Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und machen es einfach, Inhalte zu überfliegen. Andere hingegen – das ist, als würde man durch ein Labyrinth navigieren (wir schauen dich an, Pacifico). In digitalen Umgebungen sind diese Unterschiede nicht nur Geschmackssache. Sie können direkt beeinflussen, wie lesbar und nutzbar sich Inhalte auf dem Bildschirm anfühlen.
Für Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) kann die Wahl der Schriftart einen noch größeren Unterschied für das Online-Erlebnis machen. Die richtige Schriftart hilft, visuelle Unruhe zu reduzieren und macht Text leichter verarbeitbar. Die falsche Schriftart kann Wörter verschwimmen lassen, den Lesefluss stören und unnötige Hürden schaffen.
Hier kommen ADHS-freundliche Schriftarten ins Spiel. Es gibt nicht die eine perfekte Schriftart für alle ADHS-Nutzer:innen, aber es gibt bessere Designentscheidungen für digitale Lesbarkeit und Barrierefreiheit. Im Folgenden bewerten wir gängige Schriftstile aus einer Barrierefreiheits-Perspektive, untersuchen, was tatsächlich Konzentration und Verständnis unterstützt, und erklären, wie durchdachte Schriftwahl das Nutzererlebnis für alle verbessern kann – nicht nur für Menschen mit ADHS.
Serif-Schriften. Sans-Serif-Schriften
Bevor wir auf bestimmte Schriftarten eingehen, eine kurze Unterscheidung zwischen Serif- und Sans-Serif-Schriften.
Serifen sind die kleinen Linien und Füßchen an den Enden der Buchstaben. Serif-Schriften enthalten diese Linien und Füßchen. Sans-Serif-Schriften sind Schriftarten, die keine Serifen enthalten.
Es gibt einige Diskussionen darüber, welche Schriftarten für Menschen mit ADHS leichter zu lesen sind. Für manche sind Sans-Serif-Schriften besser lesbar, weil die Serifen das Unterscheiden der Buchstaben erschweren können – das hängt jedoch von der Schriftart ab.
Letztlich entscheidet der Nutzer oder die Nutzerin über die Lesbarkeit – was für manche funktioniert, funktioniert für andere vielleicht nicht. Dennoch ist es wichtig, die Schriftwahl während des gesamten Designprozesses im Blick zu behalten.
Die besten Schriftarten für ADHS
Ein wichtiger Unterschied: Schriftarten “behandeln” ADHS nicht – aber durchdachte Typografie kann visuelle Hürden reduzieren und digitalen Text leichter lesbar, scannbar und nachvollziehbar machen.
Die folgenden Schriftarten gelten allgemein als barrierefreie ADHS-Schriften, weil sie mit Abständen, Buchstabenformen und Unterscheidbarkeit der Zeichen gut umgehen. Je nach Nutzer:in, Kontext und Inhalt können diese Eigenschaften ein besser lesbares und zugänglicheres Online-Erlebnis unterstützen.
Verdana
Verdana wurde speziell für die Bildschirmlesbarkeit entwickelt, was sich in den breiten Buchstabenformen, großzügigen Abständen und klaren Unterschieden zwischen ähnlichen Zeichen zeigt. Diese Merkmale helfen, visuelle Überfüllung zu reduzieren und erleichtern es Leser:innen, dem Text zu folgen, ohne die Zeile zu verlieren.
Open Sans
Open Sans verwendet ausgewogene Abstände und einfache, klar definierte Buchstabenformen, die das Auge sanft über die Textzeilen führen. Diese Konsistenz kann längere Passagen in digitalen Umgebungen leichter lesbar und nachvollziehbar machen.
Comic Sans
Trotz ihres Rufs hat Comic Sans Eigenschaften, die die Lesbarkeit für manche Nutzer:innen unterstützen können. Die unregelmäßigen Buchstabenformen und der größere Abstand machen Zeichen leichter unterscheidbar und reduzieren das Gefühl von Enge oder visueller Dichte.
BBC Reith
BBC Reith wurde entwickelt, um die Lesbarkeit in verschiedensten digitalen und Broadcast-Kontexten zu verbessern. Offene Innenräume, markante Oberlängen und kontrollierte Abstände sorgen für klare Buchstabentrennung, was das Lesen für Menschen mit visueller Unruhe erleichtern kann.
Carnaby Street
Carnaby Street ist eine schmale serifenlose Schrift mit starker rechteckiger Rahmung und weichen, abgerundeten Details. Diese Designelemente erhöhen die Unterscheidbarkeit der Buchstaben und sorgen gleichzeitig für eine klare Struktur, sodass Zeichen auf dem Bildschirm nicht ineinander übergehen.
Bionic Reading
Bionic Reading(opens in a new tab) verfolgt einen anderen Ansatz, indem die ersten Buchstaben jedes Wortes fett hervorgehoben werden, um visuelle Ankerpunkte zu schaffen. Die Schrift selbst wirkt klar und einfach, aber der Lesbarkeitsvorteil ist stark nutzerabhängig.
Es gibt eine laufende Debatte darüber, ob Bionic Reading für Menschen mit Behinderungen, einschließlich ADHS, allgemein zugänglich ist. Viele Nutzer:innen berichten von positiven Erfahrungen, aber es gibt nur begrenzte empirische Forschung zur Wirksamkeit. Für manche erleichtert es das Scannen und die Konzentration, für andere stört es den natürlichen Lesefluss und erschwert die Verarbeitung von Text.
Warum ist die Schriftwahl bei digitalen Inhalten wichtig?
Schriftarten existieren nicht isoliert – besonders nicht online. In digitalen Umgebungen hängt die Lesbarkeit von mehr ab als nur von der Schriftart selbst. Wie Text auf Bildschirmen präsentiert wird, spielt eine entscheidende Rolle dabei, wie leicht Nutzer:innen ihn verarbeiten können.
Die Wirksamkeit einer Schriftart auf Webseiten, in Apps und Dashboards wird beeinflusst durch:
Zeilenlänge: Lange Zeilen erschweren es, den Text von links nach rechts zu verfolgen, was das Risiko erhöht, die Zeile zu verlieren.
Zeilenabstand: Zu enger Abstand kann dazu führen, dass Zeilen optisch verschwimmen, während großzügiger Abstand hilft, Gedanken zu trennen.
Schriftgröße: Text, der zu klein oder zu groß ist, kann den Lesefluss stören – besonders auf kleinen Bildschirmen.
Kontrast: Geringer Kontrast zwischen Text und Hintergrund erhöht visuelles Rauschen und verringert die Klarheit.
Layout und Dichte: Überladene Oberflächen und inkonsistente Zeilenabstände können selbst die lesbarsten Schriftarten überwältigend wirken lassen.
Das ist besonders wichtig für Nutzer:innen mit ADHS, die empfindlicher auf visuelle Unruhe und inkonsistente Abstände reagieren können. Schriftarten, die im Druck oder für Markenmaterialien gut funktionieren, sind nicht immer optimal für Webseiten, Apps oder datenlastige Dashboards. Bildschirmbasiertes Lesen bedeutet Scrollen, responsive Layouts und unterschiedliche Bildschirmgrößen – all das beeinflusst, wie Text wahrgenommen wird.
Deshalb geht es bei ADHS-freundlicher Typografie weniger darum, die “perfekte” Schriftart zu finden, sondern vielmehr um durchdachte Designentscheidungen für das gesamte digitale Leseerlebnis. Schriftarten können Barrierefreiheit unterstützen, aber sie wirken am besten in Kombination mit Layouts, die Klarheit, Konsistenz und Freiraum bieten.
Wie Schriftarten auf Websites für ADHS-Nutzer:innen eingesetzt werden sollten
Auf Websites und digitalen Oberflächen sollten Schriftarten dazu beitragen, visuelle Unruhe zu reduzieren und die Lesbarkeit zu erhöhen. Für Nutzer:innen mit ADHS bedeutet eine effektive Schriftumsetzung klare Buchstabenformen, großzügige Abstände und konsistente Layouts – statt sich auf eine einzelne “beste” Schriftart zu verlassen.
Warum Lesbarkeit und Leserlichkeit online wichtig sind
Die Wahl der Schriftart spielt eine große Rolle für die digitale Barrierefreiheit – nicht nur für Menschen mit ADHS, sondern auch für Menschen mit Sehbehinderungen, Legasthenie, kognitiven oder Lernbehinderungen, Aphasie und mehr. In Web-Umgebungen hängt die Barrierefreiheit davon ab, welche Schrift verwendet wird und wie sie auf dem Bildschirm präsentiert wird.
Leserlichkeit beschreibt, wie schnell und genau eine Person einzelne Zeichen erkennen kann. Einfach gesagt: Wie leicht jemand Buchstabenformen beim Lesen digitaler Texte identifizieren kann.
Lesbarkeit beschreibt, wie flüssig jemand einen Textabschnitt als Ganzes lesen kann. Auf Websites wird die Lesbarkeit stark von Buchstabenabstand, Zeilenabstand und Layout beeinflusst. Diese Faktoren bestimmen, wie leicht die Augen während einer Sakkade(opens in a new tab) (einer schnellen, freiwilligen Augenbewegung zwischen Fixationspunkten) fixieren können.
Für Nutzer:innen mit ADHS können schlechte Leserlichkeit oder enge Abstände die kognitive Belastung erhöhen und es erschweren, die Aufmerksamkeit zu halten.
Richtlinien zur Schriftumsetzung für ADHS-freundliche Websites
Beim Einsatz von Schriftarten auf Websites, in Apps und Dashboards helfen folgende Punkte, die Lesbarkeit für ADHS-Nutzer:innen zu unterstützen:
Vermeiden Sie ähnliche Buchstabenformen: Manche Schriftarten verwenden Zeichen, die sich fast gleichen, etwa ein kleines “i” und die Zahl “1”. Schriftarten mit klar unterscheidbaren Buchstabenformen erleichtern das Erkennen und reduzieren Lesefehler.
Stellen Sie sicher, dass Buchstaben klar unterscheidbar sind: Spiegelungen treten auf, wenn Zeichen wie “b” und “d” oder “p” und “q” zu ähnlich aussehen. Schriftarten auf Websites sollten diese Formen klar unterscheiden, um Verwirrung zu minimieren und flüssiges Lesen zu unterstützen.
Verwenden Sie großzügigen Buchstabenabstand: Zu enger Buchstabenabstand führt zu visueller Überfüllung und kann die Konzentration für ADHS-Nutzer:innen stören. Ausreichender Abstand trennt Zeichen und verbessert die Lesbarkeit auf Bildschirmen.
Sorgen Sie für deutliche Unterschiede bei Großbuchstabenhöhe und Oberlängen: Klare Unterschiede zwischen Großbuchstaben, Kleinbuchstaben und Oberlängen helfen Nutzer:innen, Zeichen schneller zu erkennen. Das verbessert das Scannen und die Zeichenerkennung in digitalen Inhalten.
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Best Practices für die Gestaltung von Webinhalten für ADHS-Nutzer:innen
Zusätzlich zur Auswahl ADHS-freundlicher Schriftarten können Sie noch weitere Best Practices für barrierefreies Design umsetzen, um das Erlebnis für ADHS- oder neurodivergente Nutzer:innen zu verbessern. Dazu gehören:
Konsistenz wahren: Stellen Sie sicher, dass ähnliche Webelemente auf Ihrer Seite gleich funktionieren. Standardisierte Designmuster helfen, Nutzerfehler zu vermeiden und ein nahtloses Nutzererlebnis zu schaffen.
Einfachheit bewahren: Zu viele Informationen in digitalen Inhalten erschweren es allen Nutzer:innen, sich zu konzentrieren. Halten Sie Inhalte und Design einfach – das reduziert die kognitive Belastung und erhöht Reaktionszeit und Genauigkeit.
Klarheit der Inhalte sicherstellen: Nutzer:innen sollten Inhalte schnell verstehen können. Wichtige Inhalte oder nächste Schritte sollten auffällig, unterscheidbar und von anderen Elementen auf der Seite interpretierbar sein.
Zoom-Funktion anbieten: Die Möglichkeit, digitale Inhalte zu vergrößern, ist für ADHS-Nutzer:innen oder Menschen mit kognitiven Einschränkungen sehr hilfreich. So können sie Ablenkungen minimieren und sich auf bestimmte Informationen konzentrieren.
Affordanzen und Signale nutzen: Kurz gesagt: Eine Affordanz ist eine “Vermutung”, wie sich ein Webelement beim Interagieren verhält. Signale sind Icons, Beschriftungen oder Töne, die anzeigen, wo und wie eine Aktion ausgeführt werden kann. Stellen Sie sicher, dass Sie in Ihren digitalen Inhalten sowohl Affordanzen als auch Signale einsetzen, damit Nutzer:innen verstehen, wie sie diese verwenden können.
Guten Farbkontrast sicherstellen: Ein guter Farbkontrast zwischen Text oder Webelementen erleichtert es ADHS-Nutzer:innen, Elemente zu unterscheiden und Informationen besser zu verarbeiten. Streben Sie ein Kontrastverhältnis von 4,5:1 für normalen Text und 3:1 für großen Text an. Ein Farbkontrast-Checker kann dabei helfen.
Designs und Schriftarten testen: Testen Sie bei der Auswahl von Schriftarten oder anderen Designelementen diese mit echten Nutzer:innen – insbesondere mit Menschen mit Behinderungen. Mit diesen Erkenntnissen können Sie gezielt Anpassungen vornehmen, die das Nutzererlebnis verbessern.
Barrierefreie, aufmerksamkeitsstarke digitale Inhalte mit AudioEye erstellen
Die gewählte Schriftart hat nicht nur für Menschen mit ADHS, sondern auch für Menschen mit verschiedenen Behinderungen einen großen Einfluss.
Denken Sie daran: Schrift ist nicht nur dafür da, Ihre Website gut aussehen zu lassen – sondern sie soll sich auch richtig anfühlen. Schriftarten wie Verdana, Open Sans und BBC Reith sind nur einige, die dazu beitragen können.
Die Wahl der Schriftart ist nur der erste Schritt zu mehr Barrierefreiheit für Nutzer:innen mit Behinderungen. Es gibt zahlreiche weitere Faktoren, die eine barrierefreie Website ausmachen. Der beste Einstieg? AudioEye.
Der Web Accessibility Checker von AudioEye findet häufige Barrierefreiheitsprobleme auf Ihrer Website und gibt Ihnen einen klaren Startpunkt, um Barrieren nicht nur für Menschen mit ADHS oder anderen kognitiven Einschränkungen, sondern für alle zu beheben. Zusammen mit unserer Accessibility Platform und den Expert Audits unserer Barrierefreiheits-Expert:innen hilft Ihnen AudioEye, eine barrierefreie, konforme Website für alle bereitzustellen.
Bereit, AudioEye in Aktion zu sehen?
Häufig gestellte Fragen
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