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Digitale Barrierefreiheit in Deutschland: Die BITV und andere Barrierefreiheitsgesetze verstehen

Deutschland setzt zahlreiche Gesetze zur digitalen Barrierefreiheit durch, darunter die BITV, das BGG, das BFSG und mehr. Erfahren Sie, welche Gesetze für Ihre digitalen Inhalte gelten und wie Sie die Barrierefreiheitsvorschriften einhalten können.

Autor: Missy Jensen, Senior SEO Copywriter

Veröffentlicht: 08.05.2024

Barrierefreiheits-Symbol in einem Schild vor der Umrisskarte von Deutschland mit den Worten 'Barrierefreie Informationstechnik Berlin' daneben.

Digitale Barrierefreiheit ist weltweit ein immer wichtigeres Thema geworden, mit Barrierefreiheitsgesetzen im Vereinigten Königreich, einschließlich eines umfassenden Europäischen Barrierefreiheitsgesetzes (EAA). Insbesondere hat Deutschland seit mehreren Jahren nationale Behindertengesetze in Form des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) in Kraft. Mit dem technologischen Fortschritt hat Deutschland seine Bemühungen verstärkt, Diskriminierung zu verhindern und einen gleichberechtigten Zugang zu digitalen Inhalten zu gewährleisten.

Was ist das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG)?

Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG)(opens in a new tab) (oder Gleichstellungsgesetz) wurde am 27. April 2002 durch das Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen erlassen. Das Gesetz stellt sicher, dass Menschen mit körperlichen, geistigen, Hör-, Sprach- oder anderen Behinderungen gleichberechtigten Zugang zu Waren und Dienstleistungen sowohl im physischen als auch im digitalen Raum haben.

Das Gesetz gilt für Organisationen oder Unternehmen, die dem Bund gehören, vom Bund geführt werden, vom Bund kontrolliert werden oder dem Bund untergeordnet sind. Organisationen in diesen Kategorien müssen ein barrierefreies Web-Erlebnis oder alternative digitale Informationszugänge bereitstellen.

Organisationen, die keine barrierefreien digitalen Angebote bereitstellen, können rechtliche oder finanzielle Konsequenzen oder Reputationsschäden erleiden.

Was ist die BITV?

Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) wurde 2002 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie vom Bundesministerium des Innern erlassen. Die BITV gilt direkt für digitale Plattformen und Inhalte, einschließlich Websites, mobiler Anwendungen und mehr. Das Gesetz stellt sicher, dass Menschen mit Behinderungen digitale Geräte oder Inhalte einfach erreichen, verstehen und bedienen können.

Die erste Version, BITV 1.0, basiert auf den Web Content Accessibility Guidelines(opens in a new tab) (WCAG) des World Wide Web Consortiums (W3C). Am 21. Mai 2019 wurde Artikel 1 der Verordnung aktualisiert, um die BITV-Richtlinien stärker an die überarbeiteten Barrierefreiheitsstandards der WCAG 2.0 anzugleichen.

BITV 2.0 folgt den Barrierefreiheitsstandards der WCAG 2.0 und fordert, dass digitale Inhalte wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust (POUR) sein müssen. Deutsche Barrierefreiheitsgesetze verlangen außerdem, dass Organisationen eine Barrierefreiheitserklärung in maschinenlesbarem Format auf ihrer Startseite und den Folgeseiten bereitstellen.

Laut BITV müssen alle öffentlichen Stellen, Organisationen im Besitz oder unter der Leitung des Bundes sowie alle Partnerschaften, an denen mindestens eine staatliche Stelle beteiligt ist, barrierefreie digitale Inhalte bereitstellen. Dazu gehören:

  • Hardware: Dazu zählen Computer, Server, mobile Geräte und mehr.

  • Software: Betriebssysteme, Anwendungssoftware und andere Softwarearten, die Unternehmen nutzen, müssen barrierefrei sein.

  • Dienstleistungen: Dazu gehören IT-bezogene Dienstleistungen wie Webhosting, Internetdienstanbieter (ISPs) und Cloud-Computing.

Private Organisationen sind zwar nicht gesetzlich verpflichtet, die BITV-Richtlinien einzuhalten, werden jedoch dazu ermutigt, um einen gleichberechtigten Zugang für Menschen mit Behinderungen zu gewährleisten.

Was ist das BFSG?

Ein weiteres bedeutendes deutsches Barrierefreiheitsgesetz ist das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Das BFSG, übersetzt als Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, setzt die BITV und das BGG durch. Das BFSG soll sicherstellen, dass alle deutschen Organisationen bis Juni 2025 die Barrierefreiheitsstandards erfüllen. Organisationen, die bis zu diesem Zeitpunkt die BITV- und BGG-Standards nicht einhalten, müssen mit Bußgeldern und Strafen von bis zu 100.000 € rechnen.

Stilisierter Webbrowser mit einem Pop-up einer Aufzählungsliste; eine Lupe über dem Barrierefreiheits-Symbol befindet sich in der rechten Ecke. Zahnradsymbole sind im Hintergrund verblasst.

Was sind die Anforderungen für BITV und BGG?

Wie oben erwähnt, verlangt die BITV von Organisationen, die Barrierefreiheitsstandards der WCAG 2.0 einzuhalten. Derzeit umfasst die WCAG mehr als 50 Erfolgskriterien, die beschreiben, wie digitale Inhalte für Menschen mit Behinderungen zugänglich gemacht werden können. Einige dieser Anforderungen sind:

  • Untertitel für Videos: WCAG SC 1.2.2(opens in a new tab) verlangt Untertitel für alle vorab aufgezeichneten Audiodateien. Dies ermöglicht es Menschen mit Hörbeeinträchtigungen, mit Videos zu interagieren, oder auch Menschen mit situativen Einschränkungen (z. B. in einem ruhigen Raum ohne Kopfhörer), mit auditiven Inhalten zu interagieren.

  • Barrierefreie Farben: Text, Textbilder und Bilder sollten ein Farbkontrastverhältnis von mindestens 4,5:1 aufweisen. Größerer Text sollte ein Mindestkontrastverhältnis von 3:1 haben. Dies stellt sicher, dass Menschen mit Sehbehinderungen oder Farbenblindheit Text lesen oder Elemente unterscheiden können.

  • Tastaturbedienbarkeit: Ihre Website sollte vollständig über Tastaturbefehle oder Shortcuts navigierbar sein. Außerdem sollte Ihre Seite keine Tastaturfallen enthalten, die verhindern, dass Nutzer das Fokuselement von einem interaktiven Element wegbewegen können.

  • Kompatibilität mit unterstützenden Technologien: Viele Menschen sind auf unterstützende Technologien wie Screenreader angewiesen, um im Web zu navigieren. Ihre Seite muss daher mit diesen Geräten kompatibel sein.

  • Alt-Text: Alle Bilder sollten einen Alt-Text enthalten, also eine kurze Beschreibung des Bildes. So wird sichergestellt, dass Menschen mit Sehbehinderungen keine wichtigen Informationen auf der Seite verpassen.

  • Beschriftungen: Webelemente wie Überschriften oder Buttons sollten beschreibende Labels enthalten, die das Thema oder den Zweck für die Nutzer erklären.

Dies sind nur einige der Erfolgskriterien der WCAG 2.0. Eine ausführlichere Liste finden Sie in unserer WCAG 2.0 Checkliste.

Vorteile der Einhaltung deutscher Barrierefreiheitsgesetze

Neben der gesetzlichen Verpflichtung gibt es zahlreiche Vorteile, die mit der Einhaltung deutscher Barrierefreiheitsgesetze einhergehen.

Erstens können Sie durch die Einhaltung rechtliche Schritte vermeiden, die zu hohen Geldstrafen, Reputationsschäden, Kundenverlust und mehr führen können. Die Einhaltung der BITV und des BGG sowie die WCAG-Konformität verringern das Risiko von Barrierefreiheitsproblemen, die zu Klagen führen können.

Zweitens zeigt eine barrierefreie Website Ihr Engagement für Barrierefreiheit und Inklusion, was Ihren Markenruf stärkt. Dies kann Ihre Reichweite erhöhen und Ihnen helfen, mehr Kunden zu gewinnen und den Umsatz zu steigern.

Und schließlich — und am wichtigsten — bietet Barrierefreiheit ein besseres Erlebnis für alle Nutzer. Verbesserte Benutzerfreundlichkeit kann zu höherer Kundenzufriedenheit und mehr Engagement führen, was wiederum weitere Vorteile bringt (z. B. mehr Umsatzmöglichkeiten, besserer Markenruf usw.).

Deutsche Barrierefreiheitsanforderungen erfüllen: Ihre nächsten Schritte

Mit dem zunehmenden Fokus auf digitale Barrierefreiheit geht die Notwendigkeit, deutsche Barrierefreiheitsgesetze einzuhalten, weit über die Vermeidung rechtlicher Konsequenzen hinaus. Während die Einhaltung dieser Standards rechtliche Schritte verhindert, zeigt barrierefreier, inklusiver digitaler Content Ihr Engagement für Inklusion. Das führt letztlich zu einer größeren Reichweite, einem besseren Nutzererlebnis und einer inklusiveren digitalen Landschaft.

AudioEye unterstützt Sie dabei, die BITV, das BGG und andere deutsche Barrierefreiheitsstandards mit unserer Automatisierten Barrierefreiheitsplattform zu erfüllen. Durch die Kombination von Automatisierung und dem Fachwissen von Barrierefreiheitsexperten helfen wir Ihnen, mehr Barrierefreiheitsprobleme zu erkennen und zu beheben als jeder andere Anbieter.

Um zu starten, nutzen Sie unseren Website-Barrierefreiheits-Scanner. Der Scanner sucht nach häufigen Barrierefreiheitsproblemen auf Ihrer aktuellen Website und gibt Ihnen einen tieferen Einblick, wie barrierefrei Ihre Seite ist und wo Verbesserungen nötig sind.

Starten Sie, indem Sie unten die URL Ihrer Website eingeben.

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