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Barrierefreiheit

Verbesserung der Barrierefreiheit für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen durch WCAG-Erfolgskriterium 1.3.1

WCAG 1.3.1: Informationen und Beziehungen sorgt dafür, dass digitale Inhalte so strukturiert sind, dass Navigation und Benutzerfreundlichkeit verbessert werden – besonders vorteilhaft für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Erfahren Sie unten, wie Sie das Erfolgskriterium in Ihren Content-Erstellungsprozess integrieren und welche Fehler Sie vermeiden sollten.

Autor: Jeff Curtis, Sr. Content Manager

Veröffentlicht: 16.02.2025

Abstraktes Bild, das das WCAG-Erfolgskriterium 1.3.1: Informationen und Beziehungen zeigt.

Sind Sie schon einmal auf einer Webseite gelandet, die überladen und verwirrend wirkte? Stellen Sie sich vor, Sie erleben das täglich, weil die Inhalte nicht richtig strukturiert sind. Für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, einschließlich Autismus-Spektrum-Störung (ASS), kann eine schlechte Webseitenorganisation die Navigation frustrierend und verwirrend machen – wenn nicht sogar unmöglich.

Hier kommen die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) ins Spiel, insbesondere das Erfolgskriterium 1.3.1: Informationen und Beziehungen(opens in a new tab). Dieses Erfolgskriterium stellt sicher, dass die Struktur von Inhalten – von Überschriften und Listen bis zu Formularbeschriftungen – klar und programmatisch vermittelt wird, was die Inhalte für Nutzer zugänglicher macht.

Was genau ist das WCAG-Erfolgskriterium 1.3.1? Das schauen wir uns unten genauer an – und wie die Anwendung der Richtlinie Nutzern mit kognitiven Beeinträchtigungen zugutekommt. Außerdem erfahren Sie, wie Content-Ersteller (einschließlich Designer, Entwickler und Texter) sie effektiv umsetzen können.

Was ist das WCAG-Erfolgskriterium 1.3.1: Informationen und Beziehungen?

Das WCAG-Erfolgskriterium 1.3.1: Informationen und Beziehungen ist Teil der WCAG 2.0 Level A-Anforderungen in der Kategorie ‚Wahrnehmbarkeit‘. Es stellt sicher, dass Struktur und Bedeutung von Inhalten so vermittelt werden, dass unterstützende Technologien, einschließlich Screenreader, sie verstehen können. Einfacher gesagt bedeutet das: Wenn Sie eine Benutzeroberfläche erstellen, sollten Sie semantisch korrektes Markup verwenden, damit Screenreader und andere Arten unterstützender Technologien die Inhalte korrekt interpretieren können.

Man kann es so sehen: Eine gut strukturierte Website ist wie ein gut organisiertes Buch. Überschriften sind die Kapitelüberschriften, Listen helfen, die wichtigsten Punkte aufzuschlüsseln, und Formularfelder und Beschriftungen geben klare Anweisungen. Wenn diese Elemente nicht korrekt codiert sind, erleben Nutzer unterstützender Technologien ein Durcheinander statt einer sinnvollen Informationsabfolge.

Wichtig ist, dass das Erfolgskriterium über die visuelle Organisation hinausgeht. 1.3.1 soll sicherstellen, dass die Beziehungen zwischen Elementen im Code abgebildet werden, sodass sie unabhängig davon verständlich sind, wie jemand auf die Inhalte zugreift. Wie Sie diese Praktiken in Ihren digitalen Inhalten anwenden, erläutern wir weiter unten im Detail.

Illustration einer Website und eines Flaschenzugs, der zum Kopf einer Person führt

Wie WCAG 1.3.1 Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen unterstützt

Jetzt, da Sie das Erfolgskriterium 1.3.1 kennen, schauen wir uns an, wie es speziell Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen zugutekommt.

Bevor wir darauf eingehen, betrachten wir jedoch häufige kognitive Beeinträchtigungen und wie sie die Fähigkeit beeinflussen, mit digitalen Inhalten zu interagieren.

Häufige kognitive Beeinträchtigungen und digitale Herausforderungen

Kognitive Beeinträchtigungen beeinflussen, wie Menschen Informationen verarbeiten, verstehen und damit interagieren. Verschiedene kognitive Beeinträchtigungen bringen unterschiedliche Herausforderungen bei der Nutzung oder Navigation von Online-Inhalten mit sich. Hier einige Beispiele:

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)

ADHS ist eine neurodevelopmentale Störung, die Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Arbeitsgedächtnis beeinflusst. Menschen mit ADHS fällt es schwer, bei langen Absätzen, überladenen Seiten oder inkonsistenten Layouts bei der Sache zu bleiben. Websites mit schlechter Struktur oder zu vielen Ablenkungen erschweren es, Informationen zu finden oder Aufgaben ohne Frustration zu erledigen.

Autismus (Autismus-Spektrum-Störung, ASS)

Autismus ist eine Spektrumstörung, die Kommunikation, soziale Interaktion und sensorische Verarbeitung beeinflusst. Viele autistische Menschen sind auf vorhersehbare Muster und klare Organisation angewiesen, um Informationen zu verarbeiten. Unstrukturierte Inhalte, plötzliche Layoutänderungen oder fehlende Überschriften und Beschriftungen können zu Verwirrung und Frustration führen. Sensorische Empfindlichkeiten erschweren es zudem, sich auf Seiten mit unnötigen Animationen, Pop-ups oder inkonsistentem Layout zu konzentrieren.

Legasthenie

Legasthenie ist eine Lernstörung, die vor allem das Lesen und die Sprachverarbeitung betrifft. Menschen mit Legasthenie haben Schwierigkeiten beim Entziffern von Wörtern, Erkennen von Buchstabenmustern oder beim Zeilenfolgen. Große Blöcke unstrukturierter Inhalte können überwältigend sein, während inkonsistentes Layout den Lesefluss stört. Klare Überschriften, Aufzählungen und gut strukturierter Text verbessern das Verständnis und die Navigation.

Wie richtig strukturierte Inhalte die Barrierefreiheit verbessern

Um das Online-Erlebnis für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen (und auch für andere) zu verbessern, sollten Ihre digitalen Inhalte gut organisiert, vorhersehbar und leicht zu navigieren sein. WCAG 1.3.1 sorgt für diese Konsistenz und Vorhersehbarkeit durch:

  • Navigation und Layout konsistent und an vorhersehbaren Stellen halten, damit sich Nutzer besser zurechtfinden.

  • Eine klare visuelle Hierarchie schaffen, um Inhalte in überschaubare Abschnitte zu gliedern. So können Nutzer gezielt nach Informationen suchen, statt sich in einer Textwand zu verlieren.

  • Komplexe Inhalte in logische Schritte oder Abschnitte unterteilen, um die Verarbeitung zu erleichtern.

  • Landmarks und Beschriftungen verwenden, damit Nutzer leichter verstehen, welche Funktion ein Element hat – das reduziert Rätselraten und Frustration.

Mann sitzt an einem Schreibtisch und schreibt Code; links von ihm ein großes Barrierefreiheitssymbol.

Praktische Schritte zur Umsetzung von WCAG 1.3.1 für bessere Barrierefreiheit

Die Anwendung von WCAG 1.3.1 bedeutet nicht nur, gute Inhalte zu schreiben – sie müssen auch so strukturiert sein, dass sie sowohl visuell als auch programmatisch Sinn ergeben. Eine solche Organisation verbessert die Navigation für alle, einschließlich Nutzer mit kognitiven Beeinträchtigungen und solchen, die auf unterstützende Technologien angewiesen sind.

Um WCAG 1.3.1 in Ihrem Content-Erstellungsprozess umzusetzen, befolgen Sie diese vier Best Practices:

1. Verwenden Sie korrektes HTML-Markup

HTML ist das Fundament barrierefreier Inhalte. Besonders semantisches HTML sorgt dafür, dass Ihre Inhalte logisch strukturiert sind und sich leichter lesen, navigieren und bedienen lassen. Hier einige Beispiele für semantisches Markup, das Sie bei der Inhaltserstellung nutzen sollten:

  • Überschriften (<h1> bis <h6> definieren die Hierarchie der Inhalte. Ohne sie müssen Screenreader-Nutzer alles in einem langen Block hören, statt zwischen Abschnitten zu springen.

  • Listen (<ul>, <ol>, <li> usw.) strukturieren gruppierte Inhalte. Wenn Sie Aufzählungszeichen manuell mit Bindestrichen statt mit HTML-Listen setzen, erkennt ein Screenreader diese Elemente nicht als zusammengehörig.

  • Tabellen mit korrektem Markup (<th>, <caption>) machen Daten verständlich. Ohne die richtige Struktur hört ein Screenreader vielleicht „Zeile 3, Spalte 2: 42“, ohne zu wissen, was diese Zahl bedeutet. Achten Sie darauf, dass Ihre Datentabellen und Zellen korrekt ausgezeichnet sind, um Verwirrung zu vermeiden und ein gutes Nutzererlebnis zu gewährleisten.

  • Formularelemente mit Beschriftungen (<label> für <input>) verdeutlichen den Zweck. Eine korrekt beschriftete Suchbox sagt einem Screenreader-Nutzer: „Suche nach Produkten“ statt einfach nur „Textfeld bearbeiten“.

2. Stellen Sie sicher, dass Beschriftungen und Zuordnungen sinnvoll sind

Formulare können für Menschen mit Behinderungen eine große Barriere darstellen, aber mit ein paar einfachen Regeln werden sie deutlich benutzerfreundlicher.

  • Verwenden Sie beschreibende Formularbeschriftungen: Nutzen Sie <label> für <input> statt nur Platzhaltertext (der verschwindet, sobald Nutzer tippen), denn <label>-Elemente zeigen klar, wofür jedes Feld gedacht ist. Beschriftungen sollten prägnant, aber aussagekräftig sein, z. B. „E-Mail-Adresse“ statt nur „E-Mail“. Alle Pflichtfelder sollten ebenfalls als solche gekennzeichnet sein.

  • Gruppieren Sie zusammengehörige Formularelemente: Hat ein Formular mehrere Abschnitte (z. B. Rechnungs- und Versandinformationen), geben Sie verwandte Felder in ein <fieldset> mit <legend>. Das erleichtert das Verständnis der Zusammenhänge.

3. Halten Sie eine logische Lesereihenfolge ein

Die Struktur Ihrer Inhalte im Code sollte der visuellen Darstellung entsprechen. Wenn die Lesereihenfolge keinen Sinn ergibt, können Nutzer – besonders mit Screenreader – sich verirren oder wichtige Informationen verpassen.

  • Inhalte in natürlicher Reihenfolge anordnen: Überschriften sollten den Absätzen vorangehen, die sie einleiten, und Buttons sollten den Anweisungen folgen, die sie erklären. Unerwartete Inhalte verwirren Nutzer.

  • Vermeiden Sie Layout-Tabellen: Tabellen sollten nur für Daten verwendet werden, nicht zur Anordnung von Inhalten auf einer Seite. Nutzen Sie stattdessen Überschriften, Listen und Abschnitte für eine klare Struktur.

  • Prüfen Sie, dass CSS die Lesereihenfolge nicht verändert: Bestimmte Designentscheidungen, wie das Verschieben von Elementen mit CSS, können dazu führen, dass Screenreader Inhalte in falscher Reihenfolge vorlesen. Testen Sie Ihre Inhalte immer darauf, dass sie logisch vorgelesen werden.

Eine gut strukturierte Seite stellt sicher, dass alle Nutzer Informationen leicht erfassen können – unabhängig davon, wie sie mit Ihren Inhalten interagieren.

4. Unterstützen Sie alternative Navigationsmethoden

Nutzer interagieren nicht immer auf dieselbe Weise mit Inhalten. Manche nutzen Screenreader, andere navigieren ausschließlich mit der Tastatur. Ihre Inhalte sollten mit verschiedenen Eingabemethoden funktionieren – das ist entscheidend für Barrierefreiheit.

  • ARIA-Landmarks implementieren: ARIA (Accessible Rich Internet Applications)-Landmarks wie <nav>, <main> und <aside> helfen unterstützenden Technologien, wichtige Seitenbereiche zu erkennen. Falls diese HTML5-Elemente nicht möglich sind, nutzen Sie ‚role="navigation"‘ oder ‚role="main"‘ für ähnliche Funktionen.

  • Tastaturbedienbarkeit sicherstellen: Alle interaktiven Elemente (wie Buttons, Links und Formularfelder) sollten ausschließlich mit der Tastatur erreichbar sein. Nutzer müssen durch die Elemente tabben und sie mit Enter oder Leertaste aktivieren können.

Häufige Fehler, die Sie vermeiden sollten

Auch mit den besten Absichten werden Aspekte korrekt strukturierter Inhalte leicht übersehen. Nachfolgend einige typische Fehler, die Sie vermeiden sollten, um ein gutes Nutzererlebnis zu gewährleisten.

  • Visuelle Gestaltung statt semantischer Struktur verwenden: Text einfach fett zu machen statt echte Überschriften (<h1>, <h2> usw.) zu nutzen, sieht zwar gut aus, bietet aber weder Screenreadern noch Nutzern eine klare Struktur. Echte Überschriften sind notwendig, damit Nutzer Inhalte gezielt ansteuern können.

  • Seiten mit zu viel unstrukturiertem Inhalt überladen: Große Textwände ohne klare Überschriften, Listen oder Abschnitte sind überwältigend – besonders für Menschen mit ADHS oder Legasthenie. Teilen Sie Inhalte in kleinere, strukturierte Abschnitte, um sie leichter verdaulich zu machen.

  • Tests mit unterstützenden Technologien und Menschen mit Behinderungen vergessen: Wenn Sie Ihre digitalen Inhalte nicht mit Screenreadern, Tastatur oder echten Nutzern mit kognitiven Beeinträchtigungen testen, übersehen Sie möglicherweise Barrieren. Testen Sie Ihre Inhalte frühzeitig und regelmäßig, um sicherzustellen, dass sie für alle funktionieren.

Barrierefreiheitssymbol neben einer Reihe von Design- und Entwicklungs-Icons.

Bessere Struktur, bessere Barrierefreiheit

WCAG 1.3.1 bietet die Grundlage, um gut strukturierte und einfach navigierbare Inhalte zu erstellen – besonders für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen wie ASS, ADHS und Legasthenie. Wenn Sie Ihre Inhalte mit Überschriften, Listen, Beschriftungen und einer logischen Lesereihenfolge strukturieren, schaffen Sie ein besseres Erlebnis für alle Nutzer und erleichtern Navigation, Verständnis und Interaktion.

Auf dem Weg zu besser strukturierten, barrierefreien und konformen Inhalten unterstützt Sie AudioEye. Vom kostenlosen Web Accessibility Scanner, der 30 WCAG-Verstöße erkennt, bis zur Automatisierten Accessibility-Plattform, die diese automatisch behebt – AudioEye macht es einfach, strukturelle Probleme in Ihren Inhalten zu finden und zu beheben. Zusätzlich ergänzen wir unsere Softwaretests durch Experten-Audits von Barrierefreiheitsexperten und Menschen aus der Community der Menschen mit Behinderungen. Mit unserem dreistufigen Ansatz erfüllen Sie problemlos die Anforderungen von WCAG 1.3.1 und allen weiteren Erfolgskriterien.

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